Brandgänse auf Trischen

Das Treffen der 200 000 im Nationalpark Wattenmeer

Foto: Stock/LKN-SH

Jedes Jahr im Juli und August finden sich etwa 90 Prozent der Brandgänse Europas im Nationalpark Schleswig-HolsteinischesWattenmeer in der südlichen Nordsee ein: ein gigantisches, internationales Familientreffen mit 200.000 Mitgliedern. Sie kommen auf direktem Weg aus ihren Brutgebieten in Polen, Skandinavien, Deutschland, den Beneluxländern, Frankreich und Großbritannien.

Der Grund ist die Mauser der Brandgänse, die wie alle Entenvögel bei der Mauser ihre Schwungfedern verlieren. Für etwa drei Wochen sind sie dann flugunfähig. In dieser heiklen Zeit benötigen sie einen ruhigen Aufenthaltsort mit reichlichem Nahrungsangebot. Das Wattenmeer mit seiner reich gefüllten Speisekammer aus Muscheln, Schnecken und Würmern und seinen ungestörten Zonen ist dafür bestens geeignet. Der Große Knechtsand zwischen der Weser- und Elbemündung und die Sandwatten der Insel Trischen vor der Meldorfer Bucht sind deshalb die Mauserzentren. Diese Bereiche im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer werden in der Hauptmauserzeit weitestgehend von Krabbenfischern und Wassersportlern gemieden.

Eine Brandgans erkennt man gut an dem rostbraunen Brustband auf weißem Gefieder. Sie wird 58 bis 71 Zentimeter lang – zu klein für eine Gans und zu groß für eine Ente, für die sie manchmal gehalten wird. Tatsächlich gehört die Brandgans laut Systematik zur Unterfamilie der Halbgänse. Männchen und Weibchen ähneln sich, nur das Männchen entwickelt zur Brutzeit einen beeindruckenden roten Schnabelhöcker.

Die Brandgänse sind treu sowohl an ihren Partner als auch an den Ort gebunden. Als Höhlenbrüter bevorzugen sie Kaninchenbauten oder Erdlöcher an Dämmen oder Deichen in Meeresnähe, die ausreichend Schutz bieten, zum Brüten. Ihr Nahrungsrevier kann aber durchaus mehrere Kilometer vom Nistplatz entfernt liegen. Für die Jungen eine gefährliche Reise. Nur ungefähr ein Viertel der Jungvögel haben eine Überlebenschance. Wenn die Eltern zu ihren Mauserplätzen fliegen, lassen sie ihre Jungen unter der Obhut von einzelnen Altvögeln in sogenannten „Kindergärten“ von bis zu 100 Jungvögeln  zurück. Nach der Mauser kehren sie zurück und überwintern in der Regel im Nationalpark Wattenmeer. Nur harte Winter zwingen sie etwas nach Süden auszuweichen. Hauptsächlich bereits flugfähige Jungvögel ziehen an südlichere Atlantikküsten und in den Mittelmeerraum.

Autorin: Martina Poggel