Radtour in den Dünen

Dünen – die Berge der Nordsee

Berge aus Sand überragen die Nordseeküste bis zu 35 Meter. Entstanden sind sie ganz unscheinbar. Muschelschalen oder Holzstückchen am Strand haben den Grundstein für die mächtigen Dünen an der Nordsee gelegt. Überall an Flachküsten mit Sand aus zerriebenen Gesteinsteilchen und Muschelschalen sind Meeresdünen zu finden. Sie sind ein extremer Lebensraum für Pflanzen: große Hitze, schmirgelnder Wind und salzhaltiges Wasser müssen sie ertragen können, um hier zu überleben. Strandquecke und Sandhafer haben sich durch schützende Hüllen und feste Wurzeln nicht nur optimal an das Leben in den Dünen angepasst, sie haben sogar zu ihrem Entstehen wesentlich beigetragen.

Vordünen

Sand, der nicht vom Meerwasser durchfeuchtet wird, verliert seinen Zusammenhalt. So wird er vom stetig wehenden Wind mitgenommen und irgendwo abgelagert. Kaum bietet sich ein kleiner Widerstand, lässt der Wind seine Fracht fallen, z. B. hinter einer Muschelschale. Wird der Teil des Strandes nicht regelmäßig überflutet, wächst mit der Zeit ein Sandhäufchen heran.

Die erste Besiedlerin ist die salztolerierende Strandquecke. Kleine, angewehte Wurzelstücke reichen aus, um Horste dieses robusten Pioniergrases hervorzubringen. Diese halten den Sand mit ihrem weitverzweigten Rhizom, dem Wurzelstock, fest. Hinter, vor und neben ihnen wachsen die kleinen Sandfahnen zu bis zu 1 Meter hohen Vor- oder Primärdünen heran. Die Blätter der Strandquecke sind gerollt und mit einer harten Schicht umgeben. So sind sie gegen Austrocknung durch den Wind und die Hitze, die auf dem Sand schon mal 50 Grad Celsius erreichen kann, geschützt.

Weißdünen

Wird die Minidüne nicht mehr vom Meer überspült, wäscht der Regen das Salz langsam aus. Strandhafer siedelt sich an. Der stete Wind bläst unaufhörlich den Sand über die junge Düne und weht den Strandhafer immer wieder zu. Das macht dem robusten Gras nichts, im Gegenteil, immer wieder schiebt es seine Blätter nach oben, bleibt aber unten fest verankert. So bildet der Strandhafer ein festes Gerüst, an dem sich der Sand bis zu 20 Meter hoch zu den Weiß- oder Sekundärdünen auftürmen können. Meerseitig wird immer neues Material und Nährstoffe herangetragen, landwärts kommt der Sandflug langsam zur Ruhe.

Graudünen

Ohne frische Nährstoffzufuhr magert die Düne aus, der Strandhafer kann hier nicht mehr gedeihen. Das Regenwasser wäscht den Kalk nach und nach aus, der Boden bekommt eine graue Farbe und versauert. Die Lebensbedingungen auf und an der Düne ändern sich dadurch grundsätzlich. Nur noch Pflanzen, die auf Magerböden angewiesen sind, fassen Fuß wie der Rotschwingel und die Sanddistel. Die rotviolett blühende Dünen-Platterbse, die gelbe Dünen-Nachtkerze, das gelbe Doldige Hahnenkraut, die sanftrosa Strand-Winde, das blaue Sand-Glöckchen und der orangefarbene Wundklee schmücken die Graudüne im Sommer mit ihren leuchtenden Farben. Abgestorbene Pflanzenteile verrotten nicht mehr vollständig, eine dünne Humusschicht bildet sich. Hin und wieder siedeln sich schon Dünenweide und nur auf den ostfriesischen Inseln Sanddorn an.

Braundüne

Die Bodenbildung schreitet voran und damit auch die Vielfalt der Gewächse. Die erscheint in dem namengebenden erdigen Braunton. Je nach Exposition ändert sich das Kleinklima auf der Düne und somit auch die Lebensgemeinschaft. Krähenbeere und Kriechweide sind die ersten Besiedler der Braundüne, vorwiegend auf der windexponierten Nordseite. Später kommen Besenheide und Zwergstrauchgesellschaften hinzu Die Südseite ist eher feucht. Hier wächst ein Erdmoos, das sich bei Feuchtigkeit zu kleinen Sternchen auseinanderrollt. Auch finden sich flachwurzelnde Silbergraswiesen und Veilchenarten.

Wenn sich die als Tertiärdünen bezeichneten Grau- und Braundünen ungestört weiterentwickeln können, bedeckt sie ein gebüschreicher, windgeschorener Pappel- Eichenwald, der Krattwald. Nur in wenigen geschützten Dünentälern ist diese Waldart auf den ostfriesischen Inseln entwickelt. In alten Dünenlandschaften finden sich auch typische Pioniergehölze wie die Birke ein.

Ökologisch besonders wertvoll sind die grundwasserbeeinflussten Dünentäler, die aber leider durch hohe Wasserentnahmen mittlerweile gefährdet sind. Sie umfassen je nach Mineralgehalt und Feuchtigkeitsgrad unterschiedliche Feuchtbiotope.

Autorin: Martina Poggel