Windmühlen in Norddeutschland

Radwandern auf der friesischen Mühlenstraße

Windmühlen faszinieren Kinder und Erwachsene, wenn sich die riesigen mit Segeltuch bespannten Flügel mit lautem Knarren und Knattern in Bewegung setzen. Eine in der Landschaft zu entdecken, reicht schon für eine freudige Überraschung.

Glücklicherweise trifft man heute noch überall in der windreichen Nordseeregion auf diese urigen Bauten, die zumeist aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen, in mehr oder weniger gutem Zustand. Manche sind baufällig, einige zu Wohnraum umgebaut wie die Sophienmühle in Neugarmsiel, aber viele sind noch gut erhalten oder restauriert worden. Auf der friesischen Mühlenstraße rund um den Jadebusen können zehn sehr gut erhaltene Windmühlen besucht werden. Die meisten sind imposante Holländermühlen mit Galerie. Sie sind von Frühjahr bis Herbst öffentlich zugängig und in der Regel noch funktionstüchtig.

Die jüngste Mühle von 1904 macht den Anfang auf der friesischen Mühlenstraße. Die Moorseer Mühle ist mit zwei Windrosen ausgestattet, die es dem Müller erleichtern sollten, die Mühlenkappe in den Wind zu drehen. Sie ist funktionsfähig. Unter ihrem Dach ist ein Museum für Müllerei, die Mühlenfachbibliothek und ein Cafe untergebracht. Wer es versteht, kann sich auf plattdeutsch die Mühle erklären lassen.

Etwas weiter südlich lädt die ebenfalls noch intakte Seefelder Mühle von 1876 mit ihrem beschaulichen Ambiente zu Veranstaltungen und Ausstellungen ein. Das alte Müllerhaus ist als Seminarhaus umgebaut. Die Mühle ist das lebendige Kulturzentrum der Region und wird von Einheimischen wie Gästen viel und gerne genutzt. Ein kleiner Laden und der an jedem ersten Sonntag im Monat stattfindende Landfrauenmarkt bieten heimische Produkte. Ein reiches Kulturprogramm belebt die Mühle mit Musik und Theater, Kunst, Yoga und soziokulturellen Projekten.

Ein besonderer Höhepunkt ist im wahrsten Sinne die Vareler Mühle. Mit ihren 5 Stockwerken und 30 Metern ist die Holländermühle außergewöhnlich hoch. Die Höhe und eine Flügellänge von 24 Metern machen die Mühle leistungsfähig. Der größte von vier Mühlsteinen ist gleichzeitig der größte bekannte Mühlstein überhaupt. Er hat einen Durchmesser von 2,05 Metern und wiegt 4 Tonnen. 12.000 Besucher jährlich lassen sich von dem imposanten Gebäude beeindrucken. Eine Museumsaustellung zeigt historisches Handwerk.

Weiter auf dem Weg um den Jadebusen treffen Sie in der Nähe von Neuenburg auf die funktionstüchtige Rutteler Mühle von 1865. Ein kleiner Mühlenpark zeigt noch weitere Mühlenmodelle. Auch die Rutteler Mühle hat ein Cafe und einen Laden mit Mühlenprodukten.

Die einzige noch gewerblich betriebene Mühle ist die Horster Mühle von 1838. Ihre Mühlräder drehen sich für den Naturkostverband Bioland. Angeschlossen sind ein Laden und ein Landwarenhandel.

In der Nähe von Neustadtgödens liegen zwei Mühlen. Die einzige Wasserschöpfmühle der Gegend ist die Wedelfelder Mühle von 1844. Hier können Sie zwei archimedische Schrauben ganz aus der Nähe betrachten und sich ihre Funktionsweise erklären lassen. Etwas nördlich steht die Oberahmer Peldemühle von 1764. Sehenswert ist auch der Kräutergarten, der auf eine alte Geschichte zurückgeht: Dem friesischen Brauch zufolge, der besagt, dass ein Bauwerk nur dann standhält, wenn etwas Lebendiges miteingebaut wurde, wollten die Bauarbeiter eine lebendige Katze im Fundament vergraben. Der Bauherr rettete das arme Wesen und versprach statt dessen einen Kräutergarten anzulegen, um die Bauarbeiter zu beschwichtigen.

Ein Umweg nach Jever lohnt sich wegen der Schlachtemühle von 1846 und dem zugehörigen Landwirtschaftsmuseum. Der Weg führt auf dem Weg nach Wilhelmshaven an der ältesten Mühle der Route in Accum vorbei. 1746 erbaut war sie bis 1986 noch in Betrieb. Heute dient sie mit Ausstellungen und Veranstaltungen als Ort der Kultur. Sogar heiraten kann man in dem historischen Ambiente.

Die Kopperhörner Mühle in Wilhelmshaven von 1839 bildet den Abschluß der friesischen Mühlenstraße. Mit der Fähre nach Eckwarden gelangen Sie wieder ans Ostufer des Jadebusens und zum Ausgangspunkt zurück.

Wer aber noch mehr Mühlen besichtigen möchte fährt schnurstracks nach Norden. In Horumersiel ist die Stumpenser Mühle von 1816 noch sehr gut erhalten. Sie beherbergt heute ein Restaurant. Die meisten Mühlen sind ab April geöffnet.

Autorin: Martina Poggel

Foto: Kulturzentrum Seefelder Mühle

Weitere Informationen

Windmühlen
friesische-muehlenstrasse.de