Hummer leben in Deutschland nur im Felsenwatt der Insel Helgoland

Helgoländer Hummer

Foto: Hummer. Hisildi/pixelio.de

Wer an Hummer denkt, sieht ein riesiges Krebstier mit orangefarbenem Panzer und zwei mächtigen Scheren, appetitlich angerichtet auf einer sonnendurchfluteten Terrasse am Mittelmeer vor sich. Dort ist der Europäische Hummer mit lateinischem Namen Homarus gammarus zwar auch zu Hause, aber sein Hauptvorkommen erstreckt sich von den skandinavischen Küstengewässern bis Nordafrika. Früher gab es reiche Hummerpopulationen in der ganzen Nordsee, auch im Felsenwatt von Helgoland, der einzige Lebensraum des Hummers in Deutschland.

Lebendig hat der Europäische Hummer eine blaue bis dunkelviolette Färbung und besitzt zwei starke Scheren, an denen er gut zu erkennen ist. Mit der rechten größeren Schere verteidigt der Hummer sein Revier, mit der linken frisst er seine Nahrung, die aus Fischen, Muscheln und Würmern besteht. Er geht nur nachts auf Jagd, tagsüber versteckt er sich in Felshöhlen. Theoretisch werden Hummer steinalt. Schätzungen schwanken zwischen 60 und 100 Jahren, dann wiegen sie 9 Kilogramm und sind bis zu 75 Zentimeter lang, entsprechend groß und gefährlich sind die Scheren, die ein Drittel der Körperlänge ausmachen. Die gefangenen Hummer überschreiten heute jedoch selten eine Größe von 40 Zentimetern und ein Gewicht von 3 Kilo. Dann sind sie schon 10 Jahre alt. Ein solcher Hummer lebt seit 1999 im Nationalpark-Zentrum des Multimar Wattforums in Tönning an der Schleswig-Holsteinischen Küste.

Alle 2 Jahre legen die Hummerweibchen 10.000 bis 40.000 Eier ab, große Weibchen auch schon mal 100.000 Eier. Aus den Eiern schlüpfen Larven, aus denen sich über viele Jahre und noch mehr Häutungen erwachsene und wehrhafte Hummer entwickeln. Bis dahin werden viele von Kabeljau und Co., aber auch von erwachsenen Hummern gefressen. Auch große, starke Hummer haben ihre Schwachstellen, wenn sie sich etwa zweimal im Jahr häuten. Fast drei Wochen braucht der Chitinpanzer, um den empfindlichen Krebskörper wieder zu schützen.

Weltweit ist ein drastisches Hummersterben zu beobachten. Alle Arten sind betroffen. Schweden berichtet von einem Rückgang seiner Fangquoten von 240 Tonnen in den 1940er Jahren auf heute gerade mal 6 Tonnen. 1920 wurden 20.000 Helgoländer Hummer aus den Helgoländer Gewässern gefischt, heute nur noch 100 bis 200 pro Jahr. Die Ursachen sind zum einen in der Überfischung zu suchen, aber auch die Meeresverschmutzung durch petroorganische Verbindungen, die die empfindlichen Geruchsorgane der Hummer schädigen, und die Meereserwärmung sind verantwortlich. Das Schlüpfen der Larven ist temperaturabhängig. Hat die Nordsee schon früher im Jahr die passende Temperatur erreicht, finden die frischen Larven noch nicht das nötige Nahrungsangebot.

Seit 1999 kümmert sich die Biologische Anstalt Helgoland (BAH), die zum Alfred Wegener Institut für Meeresforschung (AWI) gehört, um die Hummerpopulation vor Helgoland. Die 10 autorisierten Hummerfänger von Helgoland übergeben tragende Weibchen an die BAH, die aus den Eiern ca. 1.200 kleine Hummer züchten. Die einjährigen werden dann markiert und wieder ausgesetzt. Mittlerweile landen 10 Prozent wieder in den Netzen. Das wird positiv bewertet, denn das heißt, dass die Population wieder anwächst. Norwegen denkt sogar über ein generelles Fangverbot nach.

Autorin: Martina Poggel