Fische in der Nordsee

Fische in der Nordsee

Foto: magicpen/pixelio.de

Fast 230 Fischarten leben in der Nordsee, davon kommen 70 Arten im Wattenmeer vor. In tieferen Bereichen des Wattenmeeres sind Plattfische besonders artenreich, denn ihre flache Körperform ist optimal an die Bedingungen dort angepasst. In die bei Ebbe trockenfallenden, sehr flachen Teile wandern fast nur Jungfische und kleine Fischarten ein. Nur 10 Arten sind hier anzutreffen. Von allen Nordseefischen sind 23 von wirtschaftlichem Interesse als Speisefisch oder für die Herstellung von Fischöl oder -mehl.

Artenschwund durch Überfischung

2,5 Millionen Tonnen Fische werden jährlich von den Fangflotten aus der Nordsee geholt. Da ist es kein Wunder, dass manche Arten selten werden oder sogar schon ausgerottet sind wie der bis zu vier Meter große Stör, der wegen seines Rogens, besser als Kaviar bekannt, gefangen wurde. Er kam überall in der Nordsee vor und zog zum Laichen in die großen Flüsse. Auch der Nordseeschnäpel war vor Jahren ein häufig gefangener Speisefisch an der Nordseeküste und in den großen Flüssen. In den achtziger Jahren galt er in Deutschland als ausgestorben, nur noch wenige Exemplare gab es in vier dänischen Flüssen. Seit zehn Jahren wird der Nordseeschnäpel in deutschen Flüssen wiedereingebürgert.

Rochen und Haie

Auch der Stechrochen, der bis zur Schwanzspitze mit seinem Stachel 230 Zentimeter misst, ist nicht mehr zu finden. Trotz seiner Größe lebte der wärmeliebende Fisch nur in den Bereichen der flacheren südlichen Nordsee bis 50 Meter und man konnte früher schon mal in einem Priel auf den schmerzhaften Stachel treten. Weitere Vertreter seiner Familie sind der fast überall vorkommende 2 Meter lange Glattrochen, der Sand- und Schlammböden von flachem bis zu 500 Meter tiefem Wasser bewohnt. Der wesentlich kleinere Nagelrochen ist nur in der Dämmerung oder nachts auf Weichböden bis 100 Meter Tiefe zu beobachten. Die typischen 4-zipfeligen schwarzen Eikapseln der Rochen findet man hin und wieder im Strandgut. Wie die Rochen gehören auch die Haie zu den Knorpelfischen. In der Nordsee tummeln sich gleich mehrere Haiarten, die aber harmlos sind: Katzenhai, Dornhai, Glatthai und Hundshai. Im Norden  soll sogar mal ein Riesenhai, der bis zu 15 Meter lang werden kann, gesichtet worden sein.

Viele Fische – viele Lebensweisen

Die meisten unserer beliebten Speisefische gehören zu den Echten Knochenfischen und kommen in allen Variationen vor, vom langgestreckten 2 Meter langen Meeraal, der aber nicht mit den Aalen verwandt ist, bis zum eigenwilligen Knurrhahn. Sie bewohnen alle Lebensräume, die die Nordsee zu bieten hat: Hochsee und Flachwasser, Felsen und Weichböden. So findet jede Fischart ihre eigene Nische. Viele wandern zum Laichen von der tieferen See an die Küste, vom Wattenmeer in die offene Nordsee oder in die Flüsse wie der Lachs und als erwachsene Fische wieder zurück. Manche folgen einem bestimmten Temperaturniveau wie die räuberische Makrele oder die Meeräsche, die nur im Sommer oder Herbst küstennahe Gebiete aufsuchen, die Sprotte dagegen ist gerade im Winter in küstennahen Gebieten zu finden. Andere sind sogenannte Standfische, die ihr Leben lang und das ganze Jahr über ihrem Lebensraum treu bleiben. Dazu gehören Seeskorpion, Aalmutter und die kleinen Sandgrundeln.


Foto: vms/pixelio.de

 

Hochseefische

Viele Hochseefische bilden Schwärme wie Hering, Sprotte, Makrele, Seelachs und Kabeljau. Häufig legen Schwarmfische wie Sprotte oder Kabeljau aber auch die Plattfische ihre Eier ins freie Wasser. Diese werden gerne von anderen Kleinfischen gefressen oder mit den Wellenbewegungen verdriftet. Deshalb legen diese Fische eine große Menge an Eiern, der Kabeljau bis zu 7 Millionen, um ihren Bestand zu sichern. Trotzdem ist er am meisten von der Überfischung der Nordsee betroffen und gilt seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts als gefährdet.

Wanderer zwischen See und Küste

Auch der zu den Fliegenden Fischen gehörende Hornhecht ist ein Hochseefisch, sucht aber im Mai zum Laichen küstennnahe Gewässer auf, in denen er seine Eier an Algen oder Seegras befestigt. Auch der bizarre Steinpicker mit seinen vielen Barteln am Untermaul  benötigt Tang, um seine Eier daran zu kleben und vor Verdriftung zu schützen. Dafür kommt er allerdings von den Flachwasserzonen des Wattenmeers heraus zu den Tangwäldern der Hochseeinsel Helgoland. Die Scholle hingegen legt etwa 52.000 Eier in die offene See ab. Die noch symmetrischen Jungfische finden sich dann im Wattenmeer ein. Hier wandeln sie sich zum Plattfisch, indem die Augen auf den Rücken wandern, während der Fischkörper flach wird. Erwachsen schwimmen die Schollen wieder zurück in die offene See. Sie halten sich vorwiegend am Boden auf und können ihre Färbung an den Untergrund anpassen. Manche Fischarten wie die 15 Zentimeter kleinen Sandgrundeln, die Sandaale und sogar der bis zu 2 Meter große Seeteufel leben gerne eingebuddelt in den sandigen Boden.

Küsten- und Bodenfische

Küsten- und Wattenmeerfische müssen sich an extreme Bedingungen wie Schwankungen des Salzgehalts und der Temperatur und starke Gezeitenströme anpassen. Um der Kälte des Winters auszuweichen wandern zum Beispiel Seezunge und Hornhecht in die offene Nordsee. Nur im Ei- und Jungfischstadium verbringen Sprotte, Hering, Scholle und Seezunge ihre Zeit im Wattenmeer. Die meisten Fischarten der Gezeitenzone betreiben intensive Brutpflege. Besonders „fürsorglich“ ist die sand- und felsbewohnende Aalmutter, die etwa 200 Eier in ihrem Leib ausbrütet. Die schlüpfenden Jungfische schwimmen allerdings sofort davon. Bei den Sandgrundeln, Seeskorpionen und Seehasen sind die Männchen für die Brut zuständig. Nachdem die Weibchen der Seehasen ihren Rogen, der auch als Deutscher Kaviar bekannt ist, mit 200.000 Eiern an den Boden oder unter Felsen abgelegt haben, wachen die Männchen bis die Jungfische schlüpfen und sterben dann ab.

Nahrungskette

Die Nordsee hat ein großes Nahrungsangebot von pflanzlichen Organismen über Krebse und Weichtiere bis zu Jungfischen. Die im Plankton schwebenden Pflanzenteile und die Kieselalgen stehen am Anfang der Nahrungskette und sind für Jungfische und Kleinkrebse eine leicht erreichbare Mahlzeit. Die wiederum sind als Makroplankton ein Leckerbissen für Kleinfische oder planktonverzehrende Fische wie Hering und Sprotte, das Jagdgut für Raubfische wie Dorsch, Hornhecht und Makrele. Am Ende der Nahrungskette steht der Mensch. Durch wandelnde Umweltbedingungen wie die Erwärmung des Nordseewassers, Überfischung und Meeresverschmutzung wird das Gleichgewicht empfindlich gestört.

Autorin: Martina Poggel