Perlen der Nordsee

Urlaub an der Nordsee ist auf den ostfriesischen Inseln am Schönsten

Foto: Blick auf Wangerooge

Eine schöner als die andere liegen die sieben ostfriesischen Inseln vor der deutschen Nordseeküste, von Borkum im Westen über Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog bis Wangerooge. Sind die Fährorte noch von betriebsamer Hektik geprägt, geht es auf den fünf autofreien Inseln ganz geruhsam zu.

Das Gepäck kommt je nach den Gepflogenheiten der jeweiligen Insel in den Bummelzug, auf batteriebetriebene Minilaster, Handwagen oder auf  wartende Pferdefuhrwerke. Gemütlich macht man sich auf den Weg zur Unterkunft, am liebsten zu Fuß, und atmet die Ruhe mit der gesunden Nordseeluft ein. Die Orte Borkum und vor allem Norderney bieten lebendiges Treiben bis in die Nacht hinein. Doch auch hier findet man in den endlosen Dünen Ruhe und Naturerlebnis. Eines ist auf den ostfriesischen Inseln sicher: der frische Nordseewind bläst den Alltag davon, sobald man sie betreten hat.

Das Schönste an den ostfriesischen Inseln ist ihre einzigartige Natur. Zur offenen See erstrecken sich endlose Sandstrände, die zur Inselmitte hin in Dünenlandschaften unterschiedlichen Alters übergehen. Im Westen der meisten Inseln zeugen dramatische Dünenabbrüche von der Gewalt des „Blanken Hans“, wie die stürmische Nordsee im ganzen Norden Deutschlands genannt wird. Was das Meer hier abknabbert, wird im Ostteil der Inseln wieder angeweht. Ausgedehnte Sandplaten und neue Dünen entstehen durch das beständige Wirken von Wind und Wellen. In ihrem Schutz liegen die ökologisch wertvollen Salzwiesen, in denen zahlreiche Seevogelarten seit der Einrichtung des Nationalparks Wattenmeer ungestört brüten können. Zwischen ihnen und dem Festland, das in der Ferne auftaucht, erstreckt sich 5 bis 7 Kilometer breit das amphibische Watt dessen geheimes Leben sich erst bei einer fachkundigen Wattwanderung erschließt.

Hochseeklima auf Borkum

Strand von Borkum

Foto: Borkum. Dirk Schüßler/pixelio.de

Die größte der Inselschwestern ist Borkum mit 26 Kilometern Sandstrand und 130 Kilometern Rad- und Wanderwegen. 12 Kilometer ist sie vom Festland entfernt und bietet deshalb als einzige ostfriesische Insel Hochseeklima, das besonders jodreich ist. Von Emden oder dem niederländischen Eemshaven aus gelangt man mehrmals täglich auf die Insel. Das Auto kann man mitnehmen, aber die Fahrmöglichkeiten sind eingeschränkt. Gäste ohne eigenes Fahrzeug können sich und ihr Gepäck gemütlich mit dem Bummelzug in den Ort bringen lassen. Borkum bietet touristischen Trubel aber auch einsame Dünenwanderungen.

Juist: Die schmalste und längste Insel

Die zweite in der Perlenkette ist das extrem schmale Juist. An keiner Stelle ist die längste Insel des ostfriesischen Archipels mehr als 1100 Meter breit. An der schmalsten Stelle liegt das Dorf, das gerade auf Juist mehrmals wieder aufgebaut werden mußte, weil der Blanke Hans sich über die Insel hermachte, sie entzwei riss oder das ganze Dorf überflutete. Die Fähre fährt tidenabhängig ein- bis zweimal täglich von Norddeich, so dass kaum Tagesgäste auf die Insel kommen, es sei denn mit dem Flugzeug.

Thalassoinsel Norderney

Besonders reich an touristischen Attraktionen ist das ganze Jahr über Norderney. Gastronomie, Kneipen und Einkaufsmöglichkeiten des Ortes sind besonders vielseitig. Viele berühmte Persönlichkeiten genossen schon die mondäne Atmosphäre des ersten Seebads der ostfriesischen Inseln. König Georg V., Otto von Bismarck und Heinrich Heine weilten hier. Die ausgebaggerte Fahrrinne sorgt für regelmäßige Fährverbindungen von Norddeich aus, im Sommer sogar stündlich. Auch auf Norderney darf das Auto mit, doch wie auf Borkum ist der Bewegungsradius eingeschränkt. Ohne Fahrzeug kommt man mit Bus oder Taxi zur Unterkunft. Die Insel erkundet man am besten mit dem Fahrrad, das in allen Erscheinungsformen vom Kinderrad bis zum Mountainbike verliehen wird. Beliebt sind die inseltypischen Go-Carts.

Baltrum: Klein und gemächlich

Auf der vermutlich ehemals kleinsten Ostfrieseninsel Baltrum zog der Tourismus erst Ende des 19. Jhdts ein. Alles geht seinen beschaulichen Gang auf der übersichtlichen Insel. 6,5 Quadratkilometer sind gut zu Fuß zu bewältigen. Es gibt nicht mal Straßenbezeichnungen, die Häuser des Ortes sind einfach durchnummeriert. Pferdefuhrwerke holen das Gepäck von der aus Neßmersiel kommenden Fähre ab und dann gibt es nur noch die wunderbare Natur zu geniessen.

Fahrradeiland Langeoog

Langeoog hat die Nordsee besonders arg zugesetzt. Nach der Weihnachtsflut 1717 zerbrach die damals und heute wieder lange Insel in drei Teile, die Bewohner verließen das zerschundene Eiland. Heute ist Langeoog wie alle anderen Inseln ein beliebtes Touristenziel. Mit der Fähre aus Bensersiel und buntem Bähnchen gelangt man ins Dorf. Das Fahrrad ist das beliebteste Fortbewegungsmittel, so beliebt, dass das Ortszentrum fahrradfreie Zone ist, um Kollisionen zu vermeiden. In der Inselmitte liegt der höchste „Berg“ der ostfriesischen Inseln, die 20 Meter hohe Melkhörndüne.

Spiekeroog: Idyllischer Ort und ganz viel Ruhe

ostfriesische_inseln

Foto: Strand von Spiekeroog. illusionist/pixelio.de

Die konsequenteste Bewahrerin der Ruhe ist Spiekeroog. Nicht nur Kraftfahrzeuge sind tabu, Spiekeroog ist auch die einzige der sieben Inseln ohne Flughafen. Radfahren ist auch nicht gern gesehen und im Ortszentrum nicht erlaubt. Einschränkungen, die Freunde absoluter Ruhe gern in Kauf nehmen. Zu Fuß kommt man auf Spiekeroog überall hin. Kinder, Eimerchen und Schüppen oder Reisetasche und Gummistiefel: alles passt in den allgegenwärtigen Bollerwagen. Einzig die Batterielaster schnurren durch die Straßen und verteilen das Gepäck der Gäste, die mit der Fähre aus Neuharlingersiel gebracht werden. Der Ort wurde weitgehend von den Sturmfluten verschont und verströmt noch heute alte friesische Lebensweise. Vorgebaute weiße Veranden an geduckten Friesenhäusern, grün gestrichene Zäune und windgebeugte Bäume vermitteln Geborgenheit. Die Inselkirche von 1696 ist das älteste erhaltene Gotteshaus der ostfriesischen Inseln.

Wangerooge: Die Insel mit den beiden Leuchttürmen

Die östlichste und vermutlich kleinste der ostfriesischen Inseln ist Wangerooge, die als einzige zum Oldenburger Land gehört. Harlesiel ist der zuständige Fährhafen für die autofreie Insel. Vom Fähranleger ganz im Westen zuckelt ein Bähnchen durch eine Lagunenlandschaft, die ansonsten nicht betreten werden darf: Naturschutzgebiet. Weil Wangerooge direkt am Rand des Jadebusens und der Wesermündung gelegen ist, muß der gesamte Schiffsverkehr aus Bremer- und Wilhelmshaven an ihr vorbei. Die großen Pötte ziehen ganz in der Nähe vorbei. Wangerooge diente schon immer als Orientierung für die Seeschiffahrt. Dem verdankt sie ihre vielen Türme: Der alte Leuchtturm mitten im Ort, der neue Leuchtturm und der Westturm, der heute als Jugendherberge dient.

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Veranstaltungen

In der ersten Maihälfte findet auf Juist das Töwerland-Musik-Festival statt.

Zur Hauptreisezeit im Hochsommer ist auf den Inseln natürlich am meisten los. Obwohl Baltrum so klein ist gibt es gleich zwei Feste im Juli: das Ostdorffest und das Westdorffest.

Zum Langeooger Dörpfest ebenfalls im Juli sorgen Wattenregatta und Regattaball für Unterhaltung.

Besonders farbenfroh ist das Drachenfest von Norderney im Juli oder August. Inseljahrmarkt und Stadtfest finden ebenfalls im Juli oder August statt.

Traditionell feiern die Borkumer Männer den Klaasohm am Vorabend des Nikolausfestes.

Autorin: Martina Poggel

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