Sturmflut an der Nordsee

Der blanke Hans

Foto: Sturmflut. Hans-Peter Daumann/pixelio.de

Die Geschichte an der südlichen Nordseeküste wird von der Macht der Sturmfluten geschrieben. Im flachen Teil der Nordsee peitscht der Wind die Flut in beträchtliche Höhen. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen haben sich die Sturmfluten der Vergangenheit verheerend ausgewirkt. Sie haben ganze Landstriche unter dem Meer begraben und die Gestalt der Nordseeküste maßgeblich geprägt.

„Mandränken“ nannten unsere Vorfahren die Sturmfluten, denen viele Menschen zum Opfer fielen. Aufzeichnungen über die historischen Sturmfluten gibt es seit dem 1. Jhtsd von schriftkundigen Geistlichen, die nicht selten von einer Strafe Gottes sprachen, um ihre Schäfchen auf den rechten Pfad zu bringen. Dichter haben die Sturmflut zum Inhalt ihrer Lyrik oder ihrer Romane gemacht wie Liliencron mit dem Gedicht „Trutz blanker Hans“ über den Untergang Rungholts oder Storm mit seinem Roman „Der Schimmelreiter“ über den Deichgraf Hauke Haien.

Noch Mitte des letzten Jahrhunderts reichte der Küstenschutz an der südlichen Nordseeküste nicht aus. Die Sturmflut von 1953 überschwemmte nach mehreren Deichbrüchen fast ganz Zeeland und wirkte sich noch an der englischen Küste aus, die Sturmflut von 1962 traf Hamburg, Schleswig-Holstein und Dänemark besonders stark. Seitdem sind zum Beispiel mit dem Deltaplan in den Niederlanden und Deicherhöhungen weitere Schutzmaßnahmen verwirklicht worden. Selbst stärkere Sturmfluten haben seitdem keine größeren Schäden verursacht, aber ihren Schrecken haben sie noch nicht verloren.

Analysen des Instituts für Küstenschutz in Geesthacht sagen aus, dass der derzeitige Küstenschutz etwa bis 2030 reicht, danach werden eine Erhöhung des Meeresspiegels um 30 bis 40 Zentimeter und höhere Sturmwasserstände von 20 bis 40 Zentimetern wahrscheinlich. Neue Untersuchungen sowie weitere oder sogar neue Küstenschutztechnologien werden demzufolge erforderlich werden. Das internationale Projekt ComCoast, in dem sich die Anrainerländer Großbritannien, Belgien, Niederlande, Deutschland und Dänemark zusammengeschlossen haben, entwickelt schon seit 2004 bis Ende 2007 Lösungen für den Küstenschutz, um auch in Zukunft noch dem Ansturm des „Blanken Hans“, wie die stürmende Nordsee in Norddeutschland genannt wird, standzuhalten.

Anschaulich erlebbar sind die Sturmfluten an der Nordsee im Erlebniscenter „Blanker Hans“ im Schleswig-Holsteinischen Büsum.

Autorin: Martina Poggel