Pottwal wird für die Ausstellung vorbereitet

Die lange Reise eines Pottwals

Foto: LWL/Oblonczyk

Im Watt vor Pellworm ragte im November 2011 ein grauer Hügel auf. Das wunderte einen Krabbenfischer, der an dem Tag gerade dort unterwegs war. Er fuhr näher heran, um zu schauen, was da liegt. Die „Erhebung“ entpuppte sich als mannshoher, 15 Meter langer Pottwal, der sich ins flache Wasser verirrt hatte und an dieser Stelle verendet war. Wo kam er her und was ist passiert?

Pottwale leben in allen Weltmeeren. Dieser vor Pellworm gestrandete Wal kam vermutlich aus der Eismeerregion und war auf dem Weg in den Südatlantik, um sich zu paaren. Manche der Meeresriesen geraten irrtümlich in die Nordsee und finden meist nicht mehr heraus. Erkrankungen können die Ursache sein, auch Strömungen. Mehr noch wird vermutet, dass der Unterwasserlärm durch Schiffe, U-Boote oder Bohrinseln das Echolotsystem der Tiere stört.

Warum der Pellwormer Pottwalbulle auf Abwege geriet, ist nicht geklärt. Im Watt konnte er jedenfalls nicht liegen bleiben. Deshalb hat ihn der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz in den Meldorfer Hafen geschleppt. Was macht man mit einem 30 Tonnen schweren Kadaver? Kein Problem: Viele Museen wetteifern um ein Walgerippe. Bekommen hat den Pellwormer Pottwal das Naturkundemuseum in Münster. Chefpräparator Werner Beckmann hat sich schnell auf den Weg nach Meldorf gemacht und einige Teile zur Präparation mit nach Münster genommen. Der größte Teil des Wals ist im Meeresmuseum „Ozeaneum“ in Stralsund mazerisiert worden, wie man den Vorgang des Entfleischens nennt.

Ein Jahr lang hat es gedauert, bis der Pellwormer Pottwal fertig präpariert war. Jetzt ist sein Skelett wieder zusammengesetzt und bis Ende November 2013 eines der Herzstücke der Sonderaustellung „Wale – Riesen der Meere“. Die Schau im Naturkundemuseum Münster hat deutschlandweit die größte Themenvielfalt zur Biologie der großen Meeressäuger zusammengetragen.

Quelle: Nordseemagazin MeinMeer