Salzwiesen – artenreiches Ökosystem

Salzwiesen sind wertvolle Ökosysteme

Foto: Susanne Schmich/pixelio.de

Überall dort im Wattenmeer, wo der Schlick nur noch zeitweise vom Meer überflutet wird, siedeln sich erste Pflanzen an, die den Grundstock für die ökologisch wertvollen Salzwiesen bilden. Der sukkulente Queller ist solch ein Pioniergewächs. Kommen die Flächen seltener mit dem salzhaltigen Meerwasser in Kontakt, werden die Pflanzengesellschaften der Salzwiesen vielfältiger. Je nach Überflutungsgrad sind sie in drei Zonen klassifiziert.

Quellerzone

Die Quellerzone steht regelmäßig unter Wasser. Sie hat ihren Namen von dem Queller, einer salzliebenden Pflanze, die Ähnlichkeit mit einem dünnen, verzweigten Kaktus hat. Wie ein Kaktus ist er in der Lage, Wasser im Stängel einzulagern. Als zweite typische Pflanzenart kommt das Schlickgras vor. Die Zone ist übersät mit kleinen Erdhäufchen, die die Wohnröhre des sechs Millimeter großen Salzkäfers markiert.

Andelgraszone

Nur besonders hohe Tiden überfluten die Andelgraszone, die auch als Andelrasen bezeichnet wird. Außer dem blaugrünen Andelgras wächst hier die Strandsode, wie der Queller ein Halophyt, also eine salzliebende Pflanze. Salz- oder Bottenbinsen bevorzugen Standorte mit weniger Salzwasser. Der Bottenbinsenrasen ist floristisch äußerst vielfältig. Rosa blühen Strandnelke und Salzkraut, Strandflieder und Strandaster dominieren mit ihren violetten Blüten bis in den Herbst hinein. Diese Zone ist als Brutgebiet für Seevögel besonders wertvoll.


Strandflieder

Rotschwingelzone

Die Rotschwingelzone steht fast nie unter Wasser. Die Pflanzenvielfalt ist auf dem höher gelegenen, sandigen Boden erheblich. Weil er noch salzhaltig ist, finden sich auch hier viele salztolerierende Pflanzen. Leider ist diese Pflanzengesellschaft selten ausgeprägt und durch Überweidung gefährdet.

Bunte Vielfalt

Offene Wasserflächen, Bodendellen und -erhöhungen ergeben das mosaikartige, farbige Bild der Salzwiesen. Denn je nach Überflutungsgrad finden sich kleinräumig die Pflanzengesellschaften der beschriebenen Zonen ein. An Prielrändern sind hauptsächlich silbrig glänzende Strandwermutbestände zu finden.

Jede Jahreszeit taucht die Salzwiesen in eine andere Farbe. Im Frühjahr leuchten die Horste der Strandgrasnelke zartrosa. Im Sommer entsteht ein violetter Strandfliederteppich mit blaugrünen Andelgrastupfen mit einem silbrigen Strandwermutrand. Im Herbst schließlich verfärben sich Queller und Strandsode in ein kräftiges Rotbraun.

Wertvoller Lebensraum

Die Pflanzen der Salzwiesen sind an den hohen Salzgehalt angepasst und können jenseits des Deiches nicht mit anderen Pflanzen konkurrieren. Sie sind einzigartig, insbesondere für spezialisierte Insekten wie den Strandfliederrüsselkäfer, der nur am Strandflieder vorkommt. 25 Insektenarten finden sich allein auf der Strandaster und von 25 der häufigsten Salzwiesenpflanzen leben 400 Insektenarten.

Seevögel nutzen die Salzwiesen gerne als Brutgebiete, weil sie hier eine prall gefüllte Speisekammer vorfinden. Besonders nicht beweidete Salzwiesen bieten durch ihren höheren Bewuchs mehr Schutz und ihre Pflanzenvielfalt ist besonders reich an wirbellosen Tieren, mit denen die Brutvögel ihre Jungen füttern.

Insbesondere Rotschenkel profitieren von den Schutzbestimmungen der Nationalparks, die in den letzten Jahren zu einem deutlichen Anstieg unbewirtschafteter Flächen geführt hat. Der Bruterfolg auf brachliegenden Salzwiesen ist signifikant gestiegen. Einige Vogelarten wie die Uferschnepfe sind in den letzten Jahren zurückgekehrt, nachdem die Beweidung großflächig eingestellt wurde. Auch Singvögel brüten deutlich häufiger als auf beweideten Flächen. Das gesamte Wattenmeer zählt mehr als 400.000 Brutpaare. Die häufigsten Brutvogelarten sind Lachmöwe, Silbermöwe, Austernfischer, Brand-, Fluß- und Küstenseeschwalbe. Kiebitz, Rotschenkel und Säbelschnäbler.

Salzwiesen in den Nationalparks

Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sind 8.400 ha Salzwiesen unter Schutz gestellt, davon werden 70 Prozent nicht mehr genutzt. 50 Vogelarten besuchen den Lebensraum Salzwiesen, 30 Küstenvogelarten nutzen die Salzwiesen und Dünen als Brutplatz. Von fast 2.000 Insektenarten leben ca. 800 nur in den Salzwiesen.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer hat 10.000 ha Salzwiesen, 45 Prozent davon sind nicht mehr bewirtschaftet. Von den 1.650 wirbellosen Tieren sind 250 Arten endemisch, d.h. sie kommen nur hier vor. Pro Jahr suchen 100.000 Brutpaare die Salzwiesen auf.

Der Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer hat 171 ha Salzwiesen unter Schutz gestellt. Von den 2.000 Tierarten des Nationalparks leben 250 allein in den Salzwiesen.

Autorin: Martina Poggel